19.08.2019 Montag  Wachdienst in Boltenhagen

Zweimal zwei Wochen war ich bereits zum Wasserrettungsdienst an der Ostsee, jedes Mal in Boltenhagen. Zum Glück hatte ich bisher nur kleinere Einsätze.

Diesmal sahen wir direkt an meinem ersten Tag eine Person weit außerhalb der Badezone, die mit ihren Armen um Hilfe winkte. Doch es war eine unangekündigte Übung, wie wir sie regelmäßig durchführen, um die Aufmerksamkeit unserer Rettungsschwimmer sicherzustellen.

Doch einige Tage später wurde es ernst. Ich war auf der Hauptwache eingeteilt, als einer der benachbarten Türme eine bewusstlose Person am Strand meldete. Ich sah, wie sich die Kollegen mit dem Defibrillator und großen Sanitätstaschen auf den Weg machten, zum Teil war es auch für sie der erste „richtige“ Einsatz. Meine Aufgabe war, dem alarmierten Rettungswagen, dem Notarzt und allen weiteren Einsatzkräften den Weg zur Einsatzstelle über die Promenade zu weisen.

Fast eine Dreiviertelstunde später wurde über Funk gemeldet, dass der Notarzt jetzt zu den Angehörigen geht. Dann schaltete der Rettungswagen das Blaulicht aus.

Ein bedrückendes Gefühl. Zum Glück hatten wir einige erfahrene Rettungssanitäter in der Wachmannschaft, die vor allem den Unerfahrenen helfen konnten mit einer solchen Situation umzugehen. Zur Nachbesprechung am Abend hatte unser Wachleiter auch noch professionelle Hilfe in Form eines Notfallseelsorgers organisiert. In den meisten Regionen gibt es extra Verbände, die sich ehrenamtlich um die Einsatzkräfte der verschiedenen Rettungsorganisationen kümmern.

Einige Tage später kam für mich direkt der zweite Einsatz. Die Ostsee hatte ungewöhnlich hohe Wellen. Wir hatten deswegen rot geflaggt, dass heißt Badeverbot! Trotzdem war ein Junge mit einem Schwimmreifen zum Baden gegangen. In der Nähe einer Buhne geriet er in eine gefährliche, ihn aufs offene Meer hinausziehende Strömung und aus eigener Kraft kam er nicht mehr zurück. Ich kenne mich mit Wellen und den Wasserbewegungen in Strandnähe ganz gut aus, und zum Glück konnte ich ihn so schnell erreichen und herausziehen. Der Junge hatte sich trotz der Nähe der Buhne und der Wellen nicht verletzt und war durch unsere schnelle Reaktion auch nicht unterkühlt.

Als wir am Strand uns über dem glimpflichen Ausgang freuten und eine erste kurze Nachbesprechungen durchführten, wollten allerdings schon die nächsten Gäste mit Luftmatratzen ins Wasser. Zum Glück bemerkten wir sie früh genug und konnten einen weiteren Einsatz verhindern, indem wir ihnen erklärten, wie gefährlich die Strömungen an diesem Tag waren.

 

Kategorie(n)
Aktuelles

Von: Nils Dittschar

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